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Wie gehe ich mit notorischen Störern um?

Aktualisiert: 29. Apr.



In jedem Vortrag oder Seminar gibt es sie: die "notorischen Störer", die durch ihr Verhalten den Ablauf beeinträchtigen können. Doch wie kann man effektiv mit ihnen umgehen, ohne die Qualität der Veranstaltung zu beeinträchtigen?


  1. Setzen Sie klare Erwartungen Beginnen Sie das Seminar, indem Sie klare Erwartungen an das Verhalten der Teilnehmer kommunizieren. Wenn Sie Ihre Zielgruppe kennen, können Sie beispielsweise vorwegnehmen, dass die Nutzung des Handys oder Tablets für das Seminar eher störend ist. Beachten Sie dabei, dass Sie es möglichst positiv und freundlich formulieren. Keinesfalls sollte sich die Zielgruppe wie in der Schule vorkommen. Ablenkung durch Handy-, Tablet-, Laptoparbeit Ich habe eine wiederkehrende Zielgruppe, bei der ich in etwa folgendes sage: "Ich weiß, dass Ihr neben dem Seminar natürlich noch Euer Tagesgeschäft habt und regelmäßig über Teams angefragt oder auf dem Handy kontaktiert werdet. Bitte denkt daran, dass Euer Arbeitgeber es wichtig findet, dass Ihr viel von diesem Seminar mitnehmt. Daher meine Bitte: Stellt Euch bei Teams auf "Abwesend" und legt das Handy heute zur Seite. Wichtige Fälle könnt Ihr gerne in der Pause erledigen." Nebengespräche Wenn Sie schon wissen, dass Ihre Zielgruppe viel untereinander redet: "Ich weiß, Sie sind sehr kommunikativ, was auch gut ist. Damit wir eine gute Fortbildung haben, möchte ich Sie bitten, die Nebengespräche auf die Pause zu verlegen. Wenn es Fragen oder Kommentare zum Thema gibt, können Sie diese selbstverständlich stellen." Online-Seminare Bei Online-Seminaren schreibe ich manchmal Hinweise auf die Titelfolie, die ich schon vor dem offiziellen Beginn oder am Anfang zeige: - Bitte stelle sicher, dass Deine Kamera funktioniert und Du gut zu Sehen bist. - Stelle deine Vertretung sicher.* - Lies keine Mails.* - Nimm ohne Unterbrechungen teil.* - Konzentriere dich auf dein Seminar.* Die mit * markierten Punkte stammen direkt vom Arbeitgeber.

  2. Beziehen Sie die "Störer" aktiv mit ein Versuchen Sie, die Störer aktiv in den Vortrag einzubeziehen. Wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Meinung gehört wird, könnten sie weniger geneigt sein, abzuschweifen. Fragen Sie einfach: "Herr ..., Sie haben ja Erfahrung in diesem Thema. Wie sind Sie in so einem Fall vorgegangen?" Bedenken Sie, dass das, was Sie als Störung wahrnehmen, in Wirklichkeit auch Interesse sein kann. Wenn Sie etwas Interessantes gesagt haben, haben manche den Drang, ihre Erfahrung mit dem Nachbarn zu besprechen. In diesem Falle können Sie sie auffordern, dies auch mit der gesamten Gruppe zu teilen. Es kann auch sein, dass Sie etwas gesagt haben und einige in der Gruppe eine abweichende Meinung haben. In diesem Falle können Sie sie auch auffordern, diese im Plenum zu sagen und sie so in die Diskussion einzubeziehen.

  3. Wechseln Sie die Sozialform Bedenken Sie: Je länger Sie reden, desto höher ist die Gefahr, dass Ihre Teilnehmer sich langweilen. "Störungen" in Form von Nebengesprächen sind dann eine ganz normale Reaktion. Gruppenarbeit/Partnerarbeit: Teilen Sie die Gruppe in kleinere Teams auf und geben Sie ihnen Aufgaben, die Zusammenarbeit erfordern. Dies kann dazu beitragen, dass die Störer sich weniger isoliert fühlen und sich stattdessen auf die Aufgabe konzentrieren.

  4. Führen Sie individuelle Gespräche Wenn Sie sich sehr von einem Verhalten gestört fühlen, sollten Sie in der Pause ein individuelles Gespräch mit der Person führen. Sprechen Sie sie auf respektvolle Weise darauf an (das üben wir bei uns im Kommunikationsseminar) und fragen Sie nach den Hintergründen. Oftmals ist es keine böse Absicht, die dahinter steckt, sondern ein ganz konkreter (subjektiv wichtiger) Grund. So konnte ich auch schon herausfinden, dass hinter regelmäßigem "Gemecker" einer Person eine hohe Arbeitsmotivation bei gleichzeitiger Enttäuschung über die Arbeitsbedingungen steckt. Dies herauszufinden und anzusprechen, ist sehr wirkmächtig und bringt die Person wieder auf "Ihre Seite". Ich habe auch schon oft Gespräche mit Vielrednern geführt. Ich nutze dann immer die WWW-Formel aus unseren Seminaren: Wahrnehmung "Du meldest Dich bei jeder meiner Fragen und sagst auch im Seminar immer wieder viel zu den Themen. Ich freue mich sehr über Deine Beteiligung und ich merke, dass es Dir wichtig ist." Wirkung "Ich merke auch, dass die anderen Teilnehmer sich teilweise gar nicht mehr trauen, sich selbst zu melden und mir ist wichtig, dass ich auch die anderen im Blick habe. (Gibt es einen bestimmten Grund, dass Du Dich heute so viel beteiligst?)" Wunsch "Bitte sei mir nicht böse, wenn ich ab jetzt vermehrt auch wieder die anderen drannehme und dich auch manchmal unterbrechen muss. Schreibe Dir am besten Deine Fragen auf, dann behandeln wir diese am Ende in kompakter Form."

  5. Nutzen Sie positive Verstärkung Loben Sie das positive Verhalten der Teilnehmer und ermutigen Sie sie, sich aktiv am Seminar / Vortrag zu beteiligen. Positive Verstärkung kann dazu beitragen, das gewünschte Verhalten zu fördern. Mit einem Lächeln vorgetragen: "Ich nehme jetzt extra mal Frau ... dran. Sie meldet sich gerade so höflich." "Lassen Sie uns das in dieser Runde doch mal alle so machen."

  6. Grenzen setzen Wenn das Verhalten der Störer die Gruppe ernsthaft beeinträchtigt, setzen Sie klare Grenzen und greifen Sie bei Bedarf ein. In Kurzform kann das zum Beispiel sein: "Ich bitte Sie sich mit den Nebengesprächen zurückzuhalten, damit wir Herrn ... verstehen können." "Ich merke, dass viele mit dem Laptop arbeiten. Das ist nicht im Sinne dieses Seminars. Bitte lassen Sie uns wieder gemeinsam am Thema arbeiten. (Welchen Grund gibt es für die Ablenkung?)" "Ich merke, Sie sind gerade sehr unruhig. Welchen Grund gibt es dafür?" Sie können aber auch der gesamten Gruppe eine Rückmeldung geben, indem Sie wiederum die WWW-Formel verwenden. Ich habe das einmal auf einer Fortbildung machen müssen, die für die TeilnehmerInnen nicht freiwillig war und zu einem ungünstigen Zeitpunkt stattfand: Wahrnehmung "Ich merke, einige von Ihnen haben gut mitgearbeitet, andere wiederum haben in der Gruppenarbeit die wichtigen Infos nicht an die Kollegen weitergegeben." Wirkung "Das finde ich sehr schade, weil die KollegInnen, denen die Veranstaltung wichtig ist, die Informationen nicht bekommen, die sie für ihre Praxis brauchen." Wunsch "Ich appelliere an Ihre professionelle Kompetenz, dass Sie wenigstens die Informationen an die KollegInnen weitergeben." Das war zugegebenermaßen schon eine recht autoritäre Rückmeldung, die in diesem Zusammenhang allerdings auch nötig war.


Grundsätzlich ist es wichtig, geduldig und konsequent zu sein, während Sie mit notorischen Störern umgehen. Jeder Fall ist einzigartig, daher kann es erforderlich sein, verschiedene Strategien auszuprobieren, um zu sehen, was am besten funktioniert.


Viel Erfolg beim Ausprobieren!

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